Das Schweizer Herrendegenteam hat den Heim-Weltcup in Bern gewonnen und damit ein Stück Schweizer Fechtgeschichte geschrieben. Zum ersten Mal überhaupt sicherte sich eine Schweizer Mannschaft den Teamwettbewerb beim traditionsreichen Berner Weltcup.
Lucas Malcotti, Alexis Bayard, Ian Hauri und Sven Vineis setzten sich im Final deutlich mit 45:33 gegen Italien durch. Auf dem Weg zum Turniersieg bezwang die Schweiz Finnland, Tschechien, Kasachstan, Frankreich und Italien – fünf starke Gegner in Serie. Besonders dramatisch verlief der Halbfinal gegen Frankreich: Nach dem Ausgleich zum 37:37 entschied Lucas Malcotti das Gefecht bereits nach 19 Sekunden in der Verlängerung mit dem entscheidenden Treffer.
Im Final kontrollierte die Schweiz das Geschehen zunehmend und baute den Vorsprung gegen die Italiener kontinuierlich aus. Den Schlusspunkt setzte erneut Lucas Malcotti. Er ist damit der erste Schweizer Fechter, der den Berner Weltcup sowohl im Einzel (2023) als auch mit dem Team gewinnen konnte.
Für die Schweiz ist es bereits der dritte Weltcupsieg in dieser Saison nach den Erfolgen in Vancouver und Fujairah – ein weiterer Beleg für die aussergewöhnliche Konstanz des Teams auf höchstem internationalem Niveau.
Vor Ort war auch Swiss-Fencing-Präsident Max Heinzer, der einst selbst dreimal den Einzelwettbewerb in Bern gewann und diesmal die Medaillen überreichen durfte. Im Kurzinterview spricht er über die Bedeutung dieses Erfolgs, die Atmosphäre in Bern und den besonderen Wert eines Heimsiegs.
Max, du hast den Berner Weltcup früher selbst dreimal gewonnen und warst diesmal als Präsident von Swiss Fencing vor Ort. Wie hast du den Schweizer Teamsieg aus dieser neuen Perspektive erlebt?
Auf der Tribüne fiebert man natürlich extrem mit, gleichzeitig ist man aber auch etwas machtlos, weil man selbst nichts mehr direkt beeinflussen kann. Dafür kann man die besonderen Momente bewusster wahrnehmen. Als Athlet war mein Fokus früher komplett auf die einzelnen Gefechte und Punkte gerichtet – die Atmosphäre konnte man eigentlich erst nach dem letzten Treffer richtig geniessen.
Welche Bedeutung hat dieses Gold für den Schweizer Fechtsport?
Den traditionellen Heimweltcup erstmals mit der Mannschaft zu gewinnen, ist ein starkes Zeichen für den Schweizer Fechtsport. Besonders schön war es zu sehen, wie viele Nachwuchsfechter*innen und Kinder in der Halle mitgefiebert haben. Solche Erfolge motivieren enorm und zeigen den jungen Generationen, dass man auch als Schweizer Team zu den Besten der Welt gehören kann. Diese Momente sind wichtig, damit wir uns weiterhin hohe Ziele setzen – denn nur so können wir sie auch erreichen.
Das Team überzeugte nicht nur sportlich, sondern auch mental sehr stark. Was hat dich an den Auftritten der Schweizer Mannschaft besonders beeindruckt?
Der aktuelle Lauf des Teams ist fast schon ein wenig unheimlich. Bei allen drei Weltcup-Turnieren gab es mehrere Siege in der Verlängerung – und alle engen Entscheidungen gingen zugunsten der Schweiz aus. Das zeigt, dass momentan im Team alles zusammenpasst: die Stimmung, die Kommunikation mit dem Coach und vor allem das gegenseitige Vertrauen. Die Athleten glauben in den entscheidenden Momenten aneinander und treten mit sehr viel Selbstvertrauen auf.
Der Berner Weltcup gehört seit Jahren zu den wichtigsten Fechtturnieren der Welt. Wie hast du die Atmosphäre und die Organisation in diesem Jahr wahrgenommen?
Zunächst gilt ein grosser Dank den Organisatoren sowie den zahlreichen freiwilligen Helfer*innen, die diesen Anlass überhaupt möglich machen. Der Berner Weltcup hat einmal mehr gezeigt, dass er zu den besten Weltcup-Turnieren der Welt gehört. Die Atmosphäre in der Halle war hervorragend und auch von Seiten des internationalen Fechtverbands FIE gab es bereits sehr positives Feedback. Alle Beteiligten waren sehr zufrieden mit der diesjährigen Austragung. Es sieht deshalb gut aus, dass Bern auch in Zukunft im internationalen Weltcup-Kalender bleiben wird.
Du kennst den Druck und die Emotionen eines Heim-Weltcups aus eigener Erfahrung. Was bedeutet ein solcher Sieg vor eigenem Publikum für die Athleten – gerade mit Blick auf die kommenden internationalen Höhepunkte?
Ein Weltcup-Sieg vor Heimpublikum ist etwas Einmaliges und wird für die Athleten immer einen besonderen Platz in ihrem Palmarès behalten. Solche Erfolge geben enorm viel Selbstvertrauen und können eine Karriere nachhaltig prägen. Gleichzeitig wissen die Athleten aber auch, dass es mit Blick auf die Europa- und Weltmeisterschaften wieder bei null beginnt. Deshalb ist es gut, dass jetzt einige ruhigere Wochen folgen, in denen sich das Team sammeln und neu fokussieren kann. Anfang Juni steht zunächst ein Trainingslager im OYM in Cham an, anschliessend finden in Zug die Schweizer Meisterschaften statt, bevor es dann Richtung internationale Grossanlässe geht.










