Fechten

Fechten ist ein Kampfsport. Es handelt sich um die Kunst, einen Gegner mit der Spitze oder der Schneide (Estoc und Taille) einer Blankwaffe an den gültigen Körperstellen zu treffen, ohne selbst getroffen zu werden.

Es werden drei Arten von Waffen verwendet: der Degen (olympische Disziplin seit 1900 für Männer und 1996 für Frauen), der Säbel (olympische Disziplin seit 1896 für Männer und 2004 für Frauen) und das Florett (olympische Disziplin seit 1896 für Männer und 1924 für Frauen). Die Wettkämpfe werden als Einzel- oder Mannschaftswettkämpfe ausgetragen. Es gibt also zwölf verschiedene Wettkämpfe.

Die heutigen Regeln wurden erst sehr spät endgültig festgelegt. Es bedurfte der Gründung der Fédération Internationale d’Escrime (FIE), damit die Regeln endlich von allen Ländern akzeptiert wurden. Im Juni 1914 verfasste die FIE auf einer Kommissionssitzung in Paris die Regeln für die drei Waffen und beendete damit eine fünfzehnjährige Polemik, die durch den Boykott der Fechtwettbewerbe bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm durch Frankreich gekrönt wurde.

Geschichte

Wenn man Fechten als die Kunst des Umgangs mit Handwaffen betrachtet, beginnt die Geschichte des Fechtens in den Anfängen der Menschheit. Bereits in der Antike gab es zahlreiche Zeugnisse von Messerkämpfen, wie die ägyptischen Basreliefs im Tempel von Ramses III. in Medinet Habu.

Bereits vor 4000 Jahren gab es in China Fechtmeister und die Grundsätze der Waffenübung waren in einem heiligen Buch enthalten. In Ägypten wurde 1190 v. Chr. auf einem Flachrelief ein Wettkampf mit einem säbelähnlichen Griff und einer Maske dargestellt. In Griechenland entstanden Waffenschulen und bei den Römern erhielten Soldaten und Gladiatoren richtigen Fechtunterricht. In Italien wurde das erste Buch 1410 geschrieben und Mitte des 16. Jahrhunderts kodifizierten die Fechtmeister die Übungen und erstellten didaktische Lehrgänge, die die Grundlage für eine Fechttheorie bildeten.

Im 15. Jahrhundert erlebte das Fechten mit der Erfindung des Rapieres seine erste Revolution. Diese Waffe, die für ihre Zeit in jeder Hinsicht aussergewöhnlich war, veränderte die Herangehensweise an den Fechtsport völlig. Es ist der erste Schritt in Richtung Freizeitfechten: Es handelt sich um die ersten Fechtwettbewerbe und -wettkämpfe, die die alten Turniere für einen Adel ablösen, der die letzten Lichter des Rittertums sieht. Das Rapier taucht um 1470 in Spanien auf. Sein Name leitet sich vom spanischen espada ropera ab, d. h. «Schwert, das man mit seiner Kleidung trägt»; einfacher ausgedrückt handelt es sich um das erste Stadtschwert.

Im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde das Rapier, dessen Gebrauch sich im Mittelmeerraum ausbreitete, insbesondere nach Italien importiert. Die italienischen Meister kennen die Waffe, aber nicht ihre Handhabung; sie erfinden ihrerseits die Art und Weise, wie das Rapier nach dem Versuch von Camillo Agrippa verwendet wird, völlig neu. Das Rapier wurde länger (1,10 m), die Spitze dünner und die Klinge schmaler. Es ist eine Mehrzweckwaffe, mit der sich sowohl Stösse als auch Hiebe mühelos ausführen lassen.

Das Rapier war eine Reaktion auf das Aufkommen von Feuerwaffen. Da Rüstungen nicht mehr gegen sie ankamen, wurden auch die Hieb- und Stichwaffen immer feiner und schneller als die brutale Gewalt. Ihr Gebrauch verbreitete sich allmählich in ganz Westeuropa: In den Jahren 1490-1500 gelangte sie nach Frankreich als Folge der Italienischen Kriege, die auch in Frankreich die Renaissance mit sich brachten; in England und Deutschland tauchte sie um 1515 auf.

In Frankreich wurde das Fechten im Laufe des 17. Jahrhunderts von Fechtmeistern wie Le Perche du Coudray, Besnard oder Philibert de la Touche kodifiziert, seine Begriffe definiert und eine Fechtpädagogik organisiert. Das Fehlen einer Schutzmaske mit Drahtgeflecht führte zur Entwicklung der «Phrase d’armes».

Universeller Sport

Früher war Fechten ein Sport für die Elite, der Anfang des 19. Jahrhunderts begann und sich auf einige wenige europäische Länder konzentrierte. Seit seinem Auftreten bei den Olympischen Spielen 1896 teilten sich drei Länder die meisten Medaillen: Frankreich, Italien und Deutschland. Nun bestand das Fechten aus Sportlern aller sozialen Schichten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die osteuropäischen Länder, angetrieben von einem ideologischen Umgang mit dem Sport, sich für das Fechten zu interessieren. In Anlehnung an Ungarn, das eine lange Tradition im Säbelfechten hatte, traten die UdSSR, Polen und in geringerem Masse auch Rumänien an, um den westlichen Ländern auf den Siegerpodesten ernsthafte Konkurrenz zu machen.

Die Öffnung gegenüber der Welt erfolgte spät. Sie begann in den 1950er Jahren mit dem Auftreten koreanischer und chinesischer Fechter, doch deren Ergebnisse sind grösstenteils auf einige wenige Individualisten zurückzuführen.

Noch später betrat Amerika die Fechtbahnen. Abgesehen von Kuba dank des Meisters Ramón Fonst und seiner Florettfechter in den 1990er Jahren traten die Vereinigten Staaten erst in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Welt und zum Teil durch die Anwerbung zahlreicher Fechtmeister in Erscheinung.

Afrika ist auf globaler Ebene noch immer kaum vertreten. Nur dem Ägypter Alaaeldin Abouelkassem gelang es, bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London die Silbermedaille im Florett-Einzelwettbewerb zu gewinnen und Ägypten und dem afrikanischen Kontinent die erste Medaille in dieser Disziplin bei einem Weltwettbewerb zu bescheren. Auch in Tunesien und Algerien gibt es gute Fechter.

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